Warum eigentlich Dresdner Felsenkeller?
Wie der Name bereits vermuten lässt, birgt die Geschichte der Dresdner Felsenkeller Brauerei eine spannende Geschichte, die tief im Felsen beginnt. Die Namensgebung bezieht sich auf den Eiskeller der Brauerei, der zugleich einer der Hauptgründe für die Wahl des Standorts war.
Geplant war der Bau tiefer, kühler Lagerkeller für Bierfässer, idealerweise direkt in einem Felshang. So wurden mit dem Bau der Felsenkeller-Brauerei neun Bierlagerstollen direkt in den Felsen gehauen. Die neun Bierlagerstollen reichten jeweils rund 66 Meter tief in den nahe gelegenen Felshang und waren durch einen mehr als doppelt so langen Verbindungstollen – das sogenannte Eiswurmlager – miteinander verbunden.
Es lag also nahe, die Brauerei „Brauerei zum Felsenkeller Dresden“ zu nennen. Der Rest ist Geschichte!
Die Legende vom Eiswurm – mehr lesen
Heute
Das traditionsreiche Dresdner Felsenkeller Pilsner wird heute in der Brauerei Feldschlößchen im Dresdner Stadtteil Coschütz gebraut. Bis heute zählt Dresdner Felsenkeller zu den beliebtesten Biermarken der Region.
Die ehemalige Felsenkeller Brauerei ist heute ein lebendiges Industriedenkmal und ein beliebter Firmen- und Freizeitstandort. Im ehemaligen Eislager befinden sich unter anderem ein Labor des Helmholtz-Zentrums Dresden-Rossendorf (HZDR) sowie der Technischen Universität Dresden mit Deutschlands erstem Untertage-Teilchenbeschleuniger.
Bis heute lebt das Gelände vom Charme seiner Geschichte und der Sage um den Eiswurm, der noch immer das Wahrzeichen der ehemaligen Brauerei ist.

1991
Nach der Wiedervereinigung war vom einstigen Glanz der Vorzeigebrauerei nicht mehr viel geblieben. Mit der Gründung der Sächsischen Brau Union AG Felsenkellerbrauerei keimte zwar noch einmal Hoffnung auf, doch schon kurze Zeit später wurde die Brauerei vollständig geschlossen.

1981
Die Flaschenbierproduktion wurde in die neu errichtete Brauerei nach Dresden-Coschütz verlegt. Am Standort der Felsenkeller Brauerei wurden fortan ausschließlich Fass- und Tankbier hergestellt.

1978
Die 15 Dresdner Brauereien und Mälzereien wurden zum Getränkekombinat Dresden zusammengeschlossen. Der Eiswurm der Felsenkeller Brauerei blieb dabei als Markenzeichen auf den Etiketten erhalten.

1960er-Jahren
Die Dresdner Brauereien wurden zusammengeschlossen. Aus der ehemaligen Brauerei zum Felsenkeller wurde das Werk West.

1946
Auf Grundlage des Volksentscheids in Sachsen wurde das Unternehmen in Volkseigentum überführt. Als VEB Brauerei zum Felsenkeller wurde die Brauerei auch in der DDR weitergeführt.

1939 bis 1945
Mit Beginn des zweiten Weltkrieges stagnierte das Wachstum. Rohstoffe wurden kontingentiert und der Stammwürzegehalt auf ein niedriges Niveau reglementiert. Zudem wurden Kriegszuschläge für Voll- und Einfachbiere erhoben und einige Gebäude der Brauerei beim Bombenangriff auf Dresden zerstört.
Nach Kriegsende wurde die Brauerei durch das Amt für Betriebsneuordnung des Rates der Stadt Dresden enteignet.

1920er-Jahre
Die wirtschaftlich schwierigen Jahre nach dem Ersten Weltkrieg hinterließen auch bei der Aktiengesellschaft und den zugehörigen sechs Brauereien ihre Spuren. Durch Investitionen in den Flaschenbiervertrieb und die Unterstützung der Gastronomie fand die Dresdner Felsenkeller Brauerei zurück auf den Erfolgskurs.
Auch sozial setzte die Brauerei Maßstäbe: Sie unterstützte ihre Mitarbeitenden und deren Familien im Krankheitsfall und organisierte eigene Ferienlager für Kinder.

1914 bis 1918
Mit dem Ersten Weltkrieg begannen schwierige Jahre für die Brauerei. Aufgrund der knappen Versorgung mit Malz und Gerste musste zeitweise sogenanntes Ersatzbier gebraut werden. Statt Malz kamen Futterrüben zum Einsatz, was sich deutlich auf die Qualität und den Geschmack des Bieres auswirkte.

Anfang des 20. Jahrhunderts
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts zählte die Dresdner Felsenkeller Brauerei zu den wirtschaftlich erfolgreichsten Unternehmen Dresdens. Um weiter zu wachsen, beteiligte sie sich an mehreren ostdeutschen Brauereien, darunter der Schloß-Brauerei Chemnitz AG, der Sächsischen Union-Brauerei AG in Zwickau sowie der Feldschlößchen-Brauerei AG in Chemnitz-Kappel.

1905
Mit der Übernahme der Malzfabrik Pirna AG (ehemals J. Ph. Lipps & Co.) sicherte sich die Dresdner Felsenkeller Brauerei die Versorgung mit hochwertigem Malz. Damit schuf die Brauerei eine wichtige Grundlage für ihr weiteres Wachstum und eine gleichbleibend hohe Bierqualität.

Ab 1880
„Genießt im edlen Gerstensaft. Des Weines Geist, des Brotes Kraft.“
Ab 1880 stellte die Dresdner Felsenkeller Brauerei ihre Produktion auf Pilsner um und setzte ihren erfolgreichen Wachstumskurs fort. Mit der steigenden Nachfrage expandierte die Brauerei kontinuierlich.
Die Dresdner Felsenkeller Brauerei entwickelte sich die nächsten 20 Jahre zur größten deutschen Brauerei außerhalb Bayerns. Mit ihrem Erfolg machte sie sich weit über die Grenzen Dresdens hinaus einen Namen.

1859
1859 wurde die Brauerei zum Felsenkeller Dresden offiziell eröffnet. Unter der Leitung des Münchner Braumeisters Philipp Heiß wurde zunächst bayerisches Lagerbier gebraut.
Trotz des erfolgreichen Starts bereitete die Lagerung der empfindlichen Biere zunächst Schwierigkeiten, da sie schnell verdarben. Erst die von Carl von Linde entwickelte Kältetechnik sorgte für eine zuverlässige Kühlung und verbesserte die Lagerung nachhaltig.

1856
Am 12. September 1856 wurde mit einem Startkapital von 300.000 Talern die Brauerei zum Felsenkeller AG gegründet.
Nach dem Kauf des Brauereigeländes im Plauenschen Grund, einem Tal der Weißeritz zwischen Dresden-Plauen und Freital, begannen die Bauarbeiten. Das Vorhaben stieß zunächst auf erheblichen Widerstand der Dresdner Brauereien-Innung, die deutliche Umsatzeinbußen befürchtete. Letztlich fiel die Entscheidung jedoch zugunsten der neuen Brauerei: Statt „echtes Bayerisches Bier“ zu importieren, sollte es künftig direkt in Dresden gebraut werden.

Der Eiswurm – die Legende hinter dem Markenzeichen
„Das schrecklichste der Schrecken, das war der Wurm, er tat am Eise lecken.“
Wer den Dresdner Felsenkeller kennt, denkt sofort an den markanten roten Drachen. Über die Jahrzehnte hat sich sein Aussehen zwar verändert, von den Etiketten der Dresdner Felsenkeller Brauerei ist der Eiswurm jedoch bis heute nicht wegzudenken.
Die Legende führt zurück an den Ort, an dem die Brauerei errichtet wurde: den Plauenschen Grund. Er gilt als Dresdens erster Siedlungsort der Altsteinzeit. Nach den Mythen der Elbtalsorben, in denen Drachen und Geister eine bedeutende Rolle spielten, wurde die Schlucht am heutigen Brauereistandort als Eiswurmlager bezeichnet. Der Eiswurm, ein schlangenähnliches Fabelwesen mit zwei kurzen Beinen und Flügeln, soll in den Felsen und den Bierlagerstollen gelebt haben. Der Sage nach war Kühleis seine Leibspeise – jenes Eis also, das für die Lagerung des Bieres benötigt wurde. Verdarb ein Bier, war der Schuldige schnell gefunden.
Bekannt wurde der Mythos durch die Geschichte eines Dresdner Schneiders namens Schneider, der sein Erspartes in Aktien der Felsenkeller-Brauerei investiert hatte. Als er von den Geschichten um den Eiswurm hörte, fürchtete er um sein Geld. Er stürmte zur Brauerei und verlangte lautstark die Rücknahme seiner Aktien. Doch der Brauereidirektor war nicht vor Ort und der Schneider zog unverrichteter Dinge wieder ab. Erst mit der Einführung der von Carl von Linde entwickelten Kältemaschine verlor der Eiswurm seinen Schrecken. Der Spott über den Schneider blieb jedoch: Man dichtete ein Lied über ihn und prostete sich mit „Prosit Eiswurm!“ zu. So wurde die Legende immer bekannter.
Schließlich machte die Brauerei den Eiswurm in Gestalt eines roten Drachens zu ihrem Markenzeichen. Bis heute ist er das unverwechselbare Symbol der Dresdner Felsenkeller Brauerei.

