Dresdner Felsenkeller blickt auf eine lange Geschichte zurück und ist fester Bestandteil der Bier-Historie nicht nur von Dresden, sondern gehörte zu Deutschlands größten Bierherstellern.
Das Eiswurmlager im Felsen
Wie sich anhand des Namens vermuten lässt, birgt schon die Herkunft der Brauerei eine spannende Geschichte.
Die Namensgebung bezieht sich auf den Eiskeller der Brauerei, der auch einer der Hauptgründe der Standortwahl war.
Geplant waren tiefe und kühle Lagerkeller für Bierfässer zu errichten, idealerweise direkt in einem Fels-Hang.
So wurden mit dem Bau der Felsenkeller-Brauerei neun Bierlagerstollen direkt in den Felsen gehauen, die sich jeweils etwa 66 Meter tief in den nahe gelegenen Felshang gruben und durch einen mehr als doppelt so langen Stollen miteinander verbunden waren – dem Eiswurmlager.
Es war also naheliegend die Brauerei „Brauerei zum Felsenkeller Dresden“ zu nennen – der Rest ist Geschichte!
„Das schrecklichste der Schrecken, das war der Wurm, er tat am Eise lecken“
Historischer Druck der Brauerei Felsenkeller
Markierung im Felsen der Brauerei
Grundstein für die Brauerei wurde am 12. September 1856 mit einem Startkapital von 300.000 Talern gelegt und die Aktiengesellschaft Brauerei zum Felsenkeller AG gegründet.
Nach Kauf des Brauereigeländes im Plauenschen Grund, einem Tal der Weißeritz zwischen Dresden-Plauen und Freital, wurde mit den Baumaßnahmen begonnen. Dies stieß allerdings auf erheblichen Widerstand der Dresdner Brauereien-Innung, da diese hohen Umsatzeinbrüche erwarteten. Letztendlich wurde dann doch zugunsten der Brauerei entschieden anstatt „echtes Bayerisches Bier“ einzuführen, dieses einfach in Dresden zu brauen.
1859 wurde die Brauerei zum Felsenkeller Dresden offiziell eröffnet. Erst nur mit der Produktion von bayerischem Lagerbier, in der Hand des führenden Münchner Braumeisters Philipp Heiß. Trotz anfänglichem Erfolg gab es vor allem bei der Lagerung der sensiblen Biere große Probleme, da das Bier relativ schnell verdarb. Dieses Problem löste schließlich Carl von Linde mit dem von ihm erfundenen Kältetechnik.
Ab 1880 stellte die Brauerei die Produktion auf Pilsner um und blieb weiterhin auf Erfolgskurs. Das Wachstum setzte sich auch im neuen Jahrhundert fort und die Brauerei expandierte weiter. Unter anderem wurden 1905 die Malzfabrik Pirna AG (ehem. J. Ph. Lipps & Co.) aufgekauft, um den steigenden Bedarf an Malz weiterhin zu decken. Um 1900 avancierte das Unternehmen zur größten deutschen Brauerei jenseits von Bayern.
Die Felsenkellerbrauerei wuchs in den Anfangsjahren des 20. Jahrhunderts zu einem der wirtschaftlich effektivsten Unternehmen Dresdens. Um zu expandieren sicherte sich die Brauerei weitere Beteiligungen an anderen ostdeutschen Brauereien, unter anderem die Schloß-Brauerei Chemnitz AG (Chemnitz), die Sächsische Union-Brauerei Aktiengesellschaft (Zwickau) und die Feldschlößchen-Brauerei Aktiengesellschaft zu Chemnitz Kappel.
Bieretikett der Vorkriegszeit
Am Eiswurmlager – Postkarte 1915
Reklameschild 20er Jahre
Die wirtschaftlich schwierigen Jahre nach dem Krieg hinterließen auch in den Bilanzen der Aktiengesellschaft und den zugehörigen sechs Brauereien erkennbare Spuren. In den Folgejahren wurde stärker in den Flaschenbiervertrieb wie auch in die Unterstützung der Gastronomie mittels Darlehens investiert, um den Absatz zu sichern und weiter zu wachsen. Dies zahlte sich aus und die Brauerei war in den 20er Jahren wieder auf Erfolgskurs.
Die Felsenkellerbrauerei galt aber auch in sozialer Hinsicht als Vorzeigeunternehmen. Das Unternehmen engagierte sich aktiv für seine Mitarbeiter und deren Familienangehörigen, unterstützte im Krankheitsfall und veranstaltete firmeneigene Ferienlager für Kinder. – Ein Vorreiter seiner Zeit.
Mit Beginn des zweiten Weltkrieges stagnierte jedoch das Wachstum, Rohstoffe wurden kontingentiert und zum Leid der Kunden der Stammwürzegehalt auf ein niedriges Niveau reglementiert. Zudem wurden Kriegszuschläge für Voll- und Einfachbiere erhoben und einige Gebäude der Brauerei beim Bombenangriff auf Dresden zerstört.
Bieretikett der 50er Jahre
Weiter Bier gebraut wurde trotzdem, nun aber unter staatlicher Flagge der DDR als VEB Brauerei zum Felsenkeller. Ab den 1960er Jahren wurde begonnen, die Dresdner Brauereien zusammenzuschließen. So wurde aus der ehemaligen Brauerei zum Felsenkeller das Werk West.
1978 wurden die 15 Brauereien und Mälzereien von Dresden als Getränkekombinat Dresden zusammengeschlossen, mit dem Eiswurm der Brauerei als Markenzeichen auf dem Etikett.
Die Flaschenbierproduktion wurde 1981 in die neu errichtete Coschützer Brauerei verlegt und lediglich Fass- und Tankbier hergestellt.
Bierdeckel in der DDR
Die ehemalige Felsenkeller Brauerei ist heute ein lebendiges Industriedenkmal und beliebter Firmen- und Freizeitstandort.
Unter anderem befinden sich im ehemaligen Eislager der Brauerei ein Labor des Helmholtz-Zentrums Dresden-Rossendorf (HZDR) und der Technischen Universität Dresden mit Deutschlands erstem Untertage-Teilchenbeschleuniger.
Bis heute lebt das Gebiet aber von dem alten Charme und der einzigartigen Historie der Brauerei und natürlich der Sage um den Eiswurm, der nach wie vor Aushängeschild der Anlage ist – und vielleicht auch noch ab und zu sein Unwesen treibt.
Der Eiswurm auf dem ehemaligen Brauereigelände
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